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Im Atelier von elegante

Mai 2019

„Zeitdruck ist manchmal auch cool“

Wie entsteht ein elegante Design? Woher kommen die Ideen und was passiert, wenn das blau abhaut? Wir fragen nach. Bei Katharina Bocklage – Trendscout und Textil-Designerin bei elegante.

 

Wie findet ihr Themen für eine Kollektion?

Jede Kollektion beginnt mit der Ideensuche. Dabei schöpfen wir aus unterschiedlichen Inspirationsquellen. Dazu gehören Magazine, Online Recherche, Moodboards oder Material von Trendagenturen. Am wichtigsten sind allerdings unsere Reisen – zu den Trendmetropolen wie London, Stockholm, Berlin oder Paris. In unseren Städtetrips steckt besonders intensiver Input. Ich bin unterbewusst eigentlich immer auf Sendung. Auch im Urlaub oder beim Besuch einer Kunstausstellung oder eines Konzerts.

 

Woran erkennt ihr, ob ein Thema für eine elegante Kollektion infrage kommt?

Bei jedem Trend ­– auch im Fashion-Bereich ­­­­­­­­­­– stellt sich die Frage: Passt das zu uns? Zu unserer Zielgruppe und zu unserer Design-Aussage. Wir stülpen nicht jeden Trend über eine Kollektion. Außerdem finde ich sehr wichtig, dass eine Kollektion sich auch immer neu erfindet und unterschiedliche Highlights setzt. Sonst kann sie schnell austauschbar und langweilig wirken. Wir sammeln also zunächst viele Ideen und anschließend entscheiden wir im Team, welche davon ins Rennen gehen.

 

Wie wird aus einer Idee ein Design?

Wenn die Themen feststehen, haben wir unseren Fahrplan und es geht in die Entwurfs-Entwicklung. Zunächst überlegen wir, wie groß die Motive und der Rapport sein sollen und wie viele Farben ins Spiel kommen. Und dann wird gemalt, auf Papier mit Aquarellfarben. Diesen Part übernimmt bei uns Petra Timmas – eine selbständige Künstlerin und Textil-Designerin mit der wir seit Jahren eng zusammenarbeiten. Ihre Zeichnungen geben der elegante Kollektion die unverwechselbare Handschrift. Einige Entwürfe entwickeln wir am Computer. Das bietet sich vor allem bei grafischen Motiven an. Zum Schluss muss der Entwurf digital angelegt werden, damit wir eine druckfähige Datei haben.

 

Was heißt das – einen Entwurf anlegen?

Zunächst wird der Papierentwurf gescannt. Oft muss jedes Motiv darauf digital freigestellt werden. So wird es vom Papiergrund gelöst und kann in der digitalen Bearbeitung verschoben werden. Außerdem kann man dann mit der Hintergrundfarbe spielen. Die Papierstruktur soll ja nicht mitgedruckt werden. Und dann arbeiten wir das Designlayout so aus, dass es ein schönes Muster ergibt, das einen Rapport hat. Das ist das kleinste, sich wiederholende Element eines Musters. Der nächste Schritt hängt davon ab, ob wir digital oder im Rotationsverfahren drucken.

 

Wie lange dauert die Entwicklung eines Entwurfs?

Manches geht schnell von der Hand. Insbesondere wenn es sich um simple, grafische Designs handelt. Manche Entwürfe sind allerdings sehr anspruchsvoll. Dann kann auch mal von der Skizze bis zur Reinzeichnung  eine Woche vergehen.

 

Worauf musst Du beim Colorieren besonders achten?

Zunächst auf die Saison. Für eine Winterbettwäsche arbeite ich nicht mit poppigen Sommerfarben. Außerdem muss man immer im Kopf behalten, dass daraus eine Bettwäsche entsteht, die auch irgendwo in einem Schlafzimmer liegt, also in ein bestimmtes Interieur passen muss. Ich achte darauf, dass die Designs einer Kollektion farblich koordiniert sind, damit sie miteinander harmonieren. Manchmal ist Colorieren: Zack ­­­­­– und die Farben stehen. Aber oft heißt es: Können wir die Farbe nicht noch ein bisschen kräftiger oder brillanter machen? Wie sieht es aus, wenn wir diesen Farbton mit einem anderen ersetzen? Dann wird gefeilt. Wenn wir ein Dessin digital drucken, kontrollieren wir die ersten Farbabschläge. Wenn ich dann zum Beispiel sehe, das Blau, das haut total ab, dann muss das angepasst werden.

 

Colorieren klingt fast nach Müßiggang. Stimmt das?

Natürlich ist es ist schön, Muße für kreative Aufgaben zu haben. Manchmal ist die Zeit aber nicht da. Zum Beispiel, wenn eine Kollektion fertig werden muss. Dann coloriere ich sozusagen im Akkord. Manchmal finde ich es cool, wenn es einen gewissen Druck gibt, wenn ich hochproduktiv kreativ sein muss.

 

Wann entscheidet ihr, welche Qualität für welchen Entwurf infrage kommt?

Bei der Themenauswahl. Ein Design wird mit der Qualität angelegt. Insbesondere, wenn es sich um unterschiedliche Produktionstechniken handelt. Ein Entwurf für eine Jacquard Satin Bettwäsche ist etwas anderes als ein Druckentwurf oder ein Buntgewebe. Das Design wird also für die jeweilige Technik angelegt.

 

Wieviel Diskussionsstoff steckt in der Designentwicklung?

Über die Entwürfe in der Kollektionsentwicklung diskutieren wir ausführlich. Es kommt vor, dass ich total überzeugt bin, die anderen aber nicht oder umgekehrt. Manche Ideen gefallen mir anfangs gar nicht, dann sind sie aber im Ergebnis gut. Oder ich habe im Nachhinein gedacht, gut dass die anderen eine Idee stark forciert haben. Grundsätzlich bekommt man im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür, welche Themen landen können.

Bei der letzten Kollektion haben wir auf den letzten Drücker eine Idee mit aufgenommen, und dieses Dessin war schlussendlich der Bestseller. Diese Freiheit muss man sich lassen.